Was tun?

Gesellschaften produzieren einen Haufen Probleme. Denen kann individuell aus dem Weg gegangen werden. Kein Auto, nur Zug, wenig mit Plastikverpackung einkaufen, Second Hand, Bio-Essen, vegane Lebensweise, etc. Nicht alle Menschen können sich aber Bio leisten oder auf ihr Auto verzichten, vieles ist eine Frage der Motivation, der Priorisierung in Kombination mit den Lebensumständen. Mit Konsum lässt sich auch nicht alles steuern. Daher werden Menschen politisch aktiv. Ihr Ziel ist hierbei Probleme strukturell anzugehen. Daher zeigt dieser Text kurz auf, was ihr individuell tun KÖNNT und was der strukturelle Hintergrund ist.

1. Klimaneutrale Mobilität und Nah- und Fernverkehr

Mit mehr als 16% der Treibhausgasemmissionen in Deutschland ist der Verkehrssektor ein großer Faktor des Klimawandels. Gerade in größeren Städten ist es möglich unser Bild von Mobilität zu verändern. Mit dem Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln zum Nulltarif sowie mit der Förderung von Fahrrad- und Fußwegen kann ein Großteil der Autos in den Innenstädten überflüssig gemacht werden. Dadurch bekommen wir eine neue Lebensqualität und sparen massiv Geld. Weniger Lungenerkrankungen, welche zur geringeren Belastung der Krankenkassen führen, niedrigere Instandhaltungskosten für Straßen, weil sie weniger von Autos abgenutzt werden, usw. Nicht zu vergessen ist der Umstieg auf mehr Gütertransporte auf Schienen anstatt auf Straßen und günstigere Zugtickets anstelle günstigerer Flugtickets.
Hier liegt es an uns allen, Druck für einen kostenlosen Nahverkehr auszuüben, sowie das ganze Thema im Alltag selbst anzugehen, beispielsweise mit der Aktion Fahrscheinfrei.

2. Bewusst Kosmumieren?

Konsum macht glücklich? Zumindst nicht die, die für die Ware ihr Leben geben müssen oder sie unter widrigsten Umständen prodzuieren müssen.
Müssen wir wirklich immer ein neues Smartphone besitzen? Lederschuhe und einen noch "besseren" Flachbildschirm?
Braucht es wirklich tierische Produkte für ein gutes Leben? Produkte voll mit Palmöl, angebaut im abgeholzten Regenwald, Handys aus Kinderarbeit und ohne Arbeitsschutz in Minen? Produkte können grün und fair sein, das ist besser, aber leider immer noch nicht ausreichend gut für die Arbeitenden. Zudem können sich auch nicht alle Konsument*innen bio und fair leisten, was bereits die Grenzen dessen aufzeigt, was allein über einen bewussteren Konsum gelöst werden kann.
Ein Beispiel aus unzähligen, das sog. Arbeitsbedingungen zeigt: Durch die Wegwerfgesellschaft entsteht immer mehr Elektroschrott. Schätzungen zufolge sind es rund 50 Millionen Tonnen weltweit jedes Jahr. Ein Großteil davon landet aus Kostengründen (oftmals illegal) auf Müllbergen im afrikanischen oder asiatischen Raum. Minder- und volljährige Personen stehen dort in sengender Hitze, 300 Grad heiße Dämpfe wabern, während sie Elektrogeräte ausweiden, die aus Europa und aus anderen Regionen exportiert wurden. Sie zertrümmern die Geräte und legen Feuer, um an die wertvollen Metalle heranzukommen. Die giftigen Dämpfe die sie daurch einatmen haben Konsquenzen: Kopfschmerzen, Juckreiz, Schwindel und fleckige Haut. Die Langzeitfolgen schädigen Nerven und Nieren und verursachen Krebs.
Am besten für Mensch, Tier und Natur sind die Produkte, die nicht hergestellt werden müssen.
The best things in life aren`t things.

https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-08/welterschoepfungstag-natuerliche-ressourcen-erde-aufgebraucht
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/uno-studie-zu-elektroschrott-europas-gift-verseucht-spielplaetze-in-afrika-a-794843.html

3. Konsum tierischer Produkte einstellen?

Die globale Landwirtschaft trägt derzeit mit ca. 14% der Treihausgasemmisionen massiv zum Klimawandel bei.
Ein Großteil dieser Emissionen wird bei der Produktion von Futter für die Erzeugung von Tierprodukten ausgestoßen. Um den riesigen Bedarf an Futtermitteln für die Tiere zu decken, werden riesige Mengen an Land und Wasser benötigt. Dies führt zur Zertrörung von Ökosystemen, wie dem Regenwald. Um diese Flächen zu bekommen, werden die Besitzer*innen oftmals illegal enteignet, vertrieben oder ermordet.
Im Sinne von Mensch, Umwelt und Tier können wir NEIN sagen, zur Ausbeutung der Tiere nur für den Konsum tierischer Produkte; Jedes Fleisch und jeder Fisch auf dem Teller, war mal fühlendes Tier. Jede Milch bedeutet eine fühlende Mama-Kuh, die nach ihrem Kalb schreit und es vermisst. Es aber nicht sehen darf, da die Milch an die Menschen gehen soll und nicht an ihr Kind. Jeder Land Raub ist Unterdrückung und Vertreibung.

https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#textpart-2
WWF-Bericht „Appetite for Destruction“ (2017)
https://www.boell.de/de/2015/01/08/futtermittel-viel-land-fuer-viel-vieh

4. Plastikmüll reduzieren?

Zur Herstellung von Plastik wird viel Energie und Erdöl benötigt. Etwa 4 % der aus den Raffinerien kommenden Erdölprodukte werden in der Kunststoffindustrie verbraucht.
Zudem ist Plastik ein großes Problem für die Meere und die Tierwelt. Auf jeden Person kommen derzeit rund 700 Plastikteile, die irgendwo im Meer treiben. Forscher*innen haben kürzlich errechnet, dass im Jahr 2050 mehr Plastik in den Meeren schwimmen könnte als Fische. In jedem Quadratkilometer der Meere schwimmen hunderttausende Teile Plastikmüll, denn bis zur völligen Zersetzung von Plastik können 350 bis 400 Jahre vergehen. Insgesamt 80 Prozent des Kunststoffmülls, die UNO spricht von weltweit jährlich rund 6 Millionen Tonnen, gelangen über Flüsse in die Ozeane. Die Meeresschutzorganisation Oceana schätzt, dass weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen werden, die Hälfte davon ist aus Plastik. 267 verschiedene Tierarten fallen weltweit nachweislich dem Müll im Meer zum Opfer, Seevögel verenden qualvoll an Handyteilen in ihrem Magen, Schildkröten halten Plastiktüten für Quallen und Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton. Nicht zuletzt können kleine Plastikpartikel, sogenanntes Mikroplastik und umweltschädliche Stoffe, die im Plastik enthalten sind oder sich darin anreichern, über die Fische auch in die menschliche Nahrungskette gelangen.
Um all das Plastik zu produzieren, muss auch das Erdöl an die Produktionsstätte geliefert werden. Pipeline-, Förderplattformen- und Tankerunfälle führen zu vielen vielen toten Tieren, verklebtem Gefiederkleid und ganzen Meeresregionen, die für Jahrzehnte vergiftet sind. Der NABU geht davon aus, dass jährlich 6.000 Tonnen Öl auf diesem Weg ins Meer gelangen.
Alternativen hierzu sind: Unverpackt-Läden, Wochenmärkte, Stofftaschen, etc.

http://www.plastic-planet.de/hintergrund.html
https://utopia.de/ratgeber/plastikmuell-im-meer-diese-projekte-tun-was-dagegen/?utm_source=Interessenten&utm_campaign=624f4546fb-EMAIL_CAMPAIGN_2018_08_13_10_28&utm_medium=email&utm_term=0_af58dac727-624f4546fb-264795537

5. Fossile Energien nicht nutzen?

Regenerative und erneuerbare Energien können genutzen werden. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Große Windparks, Fotovoltaikanlagen und Staudämme entstehen überall. Vor allem im Globalen Süden kommt es zu Land Grabbing und teils illegalem sowie stets unökologischem Abholzen von Regenwald. In Honduras beispielsweise wird seit Jahrzehnten gegen diese Form der Ausbeutung von Mensch, Natur und Tier gekämpft. COPHIN stellte sich u.a. gegen den Bau des Staudammes Agua Zarca. Umwelt- und Landaktivist*innen werden hierbei ermordet und bedroht. Der erzeugte Strom geht nicht an die Bevölkerung im Umland, die Natur wird zerstört, die Biodiversität gefährdet und die Fortpflanzung von Fischen behindert. Überall dort, wo Natur in großen Flächen vereinnahmt wird, enstehen massive Schäden, Flora und Fauna werden verändert, Menschen und Tiere werden aus ihrem Lebensraum verdrängt. Wir brauchen also kleine, dezentrale Einheiten, um Strom zu nutzen.
Auch das sogenannte Biodiesel und Biobenzin (E10) ist keine wirkliche Alternative. Denn, für den massenhaften Anbau von Palmöl oder Zuckerrohr werden in Asien und Südamerika die Regenwälder abgeholzt. Raps, Ölpalmen, Soja und Sonnenblumen sind der Hauptbestandteil von Biodiesel. Gerste, Mais, Weizen, Zuckerrübe und Zuckerrohr sind in Biobenzin enthalten. Klimafreundlich? Im Gegenteil; Das Bestellen der Felder, die Verarbeitung zu Biosprit und der Transport nach z.B. Deutschland verursacht einen zu hohen Energieverbrauch und verschmutzt so durch zu viel Erdöl und Kohle wiederum die Umwelt. Außerdem entweicht aus dem chemischen Dünger, mit welchem die Felder behandelt werden, jede Menge Lachgas – und dieses Gas heizt die Atmosphäre 300 mal stärker auf als CO2. Der Treibhauseffekt verstärkt sich also.

6. Elektrizität sparen?

Stromsparen könnt ihr, indem ihr den Kühlschrank nicht offen lasst und beim Kauf auf die Umweltplakette achtet, die Waschmaschine nur voll gefüllt laufen lasst, Licht ausmacht den LapTop herunterfahrt und nicht über Nacht Strom fressen lasst, kein Standby sondern Stecker aus der Dose zieht, etc. All das sind Peanuts im Einzelnen und eine Menge im Ganzen.
Ganz allgemein gilt aber: Der Strom der nicht verbraucht wird ist am saubersten.

7. Second Hand?

Jedes Stück Plastik bedeutet die Verbrennung von Erdöl, bei der Produktion sowie beim Transport. Jeder Pulli und jedes Regal kann nur unter Verbrauch von Energie erzeugt werden. Um möglichst sparsam mit Ressourcen umzugehen, können wir daher versuchen so lange es geht Produkte zu nutzen sowie Produkte aus zweiter Hand zu verwenden.
Second Hand bedeutet: Schonen von Ressourcen, weniger Umweltzerstörung, weniger Ausbeutung der Arbeiter*innen, weniger Ausbeutung von Tieren, Schonung deines Geldbeutels.

8. Ökologische Landwirtschaft und regionale Produkte?

Landwirtschaft (vor allem die Tierausbeutung - vgl. oben) ist eine der größten Produzentinnen von Treibhausgasen. Durch die Nutzung von Pestiziden in der Landwirtschaft, greift der Mensch in die Natur ein. Insekten sterben, das Grundwasser wird verunreinigt, Überdüngung macht den Boden nährstoffleer und damit unbrauchbar, die langfristigen Folgen der Gentechnik sind noch weitgehend unklar, Glyphosath lässt aber schon jetzt v.a. Kinder chronisch erkranken. In China müssen Bäume und andere Pflanzen bereits heute mit der Hand bestäubt werden, dies ist nicht nur Kosten und Zeit aufwendig, sondern eigentlich auch total unnötig.
Doch was ist dagegen zu tun? Beim Einkauf können Produkte aus ökologischer sogar aus bio-veganer Landwirtschaft und aus der Region ohne Plastikverpackung ausgewählt werden. Leider erscheinen diese Produkte meist zu teuer, da die Lebenserhaltungskosten so hoch sind und wir günstige Waren gewohnt sind. Es gibt auch Alternativen für den schmaleren Geldbeutel. In vielen Städten,auch bei München, gibt es Soldarische Landwirtschaften, die selbstverwaltet, Gemüse anbauen. Bei diesen Projekten kann auch aktiv mitgeholfen und mitgestaltet werden.

9. Recycling und Upcycling?

DIY ist schick und so kann aus altem Plastik eine neue Deckenlampe werden. Selbst aus Müll Brauchbares zu machen ist gut und erinnert uns an Recycling von Rohstoffen. Wer sich finanziell in der Lage befindet, kann hier beim Kaufen geziehlt darauf achten. Bis jetzt erhalten die Käufer*innen aber wenig Information über den Grad der Möglichkeit an Recycling und zumeist ist dies auch wieder mit hohen Einkaufskosten verbunden. D.h. hier müssen noch Formen geschaffen werden, Konsument*innen zu informieren und Bewusstsein zu kreieren, um letztendlich Druck auf die Konzerne auszuüben.
Müll? Meinung einholen - Trennen oder nicht Profit vs Höhere Verbrennungszahlen da nichtgetrennter Müll

10. Selbst aktiv werden?

Von Seiten der Politik und Wirtschaft haben wir nichts zu erwarten. Auch mit bewussten Konsumentscheidungen alleine kommen wir nicht vorwärts. Aber selbst Politik machen? Du denkst, das geht doch nur als Politiker*in im Parlament? Dein Ziel kannst du eh nicht erreichen, es wirkt wie ein Kampf gegen Windmühlen?
Die Klimabewegung hat mehr und mehr Aufsehen in den letzten Jahren erlangt. Je größer sie wird, desto mehr Einfluss hat sie. Auch liegt es an uns, das heißt an der gesamten Bewegung, die von unten, von uns selbst gestaltet wird, wie wir andere Bewegungen miteinbeziehen. Wir können uns vernetzten, mehr werden und ein gutes Leben für alle erkämpfen. Wie? Ein Anfang sind: Klima Camps organisieren, Gespräche führen, Aktionen umsetzten und unseren Alltag selbst ressourcenbewusst umkrempeln.
Die Situation ist nicht aussichtslos. Wir sind es, die Strategien und Lösungen erkämpfen und durchsetzen müssen, die einen Wandel herbeiführen können.